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Dem sozialen Netz auf der Spur: Sozialmanagement-Kurs informiert sich im Jobcenter

Am 23. April sind die Elftklässler des Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums im Fach Sozialmanagement unter der Leitung von Herrn Dr. Hopf zu einer Exkursion zum Jobcenter Böblingen aufgebrochen. Zur Calwer Straße 1 war es von der Schule aus nur ein kurzer Fußweg. Dort wurden wir schon sehr herzlich von Frank Nothacker empfangen.

Der Leiter des Jobcenters nahm sich zwei Stunden Zeit für unsere Klasse und begann mit einer Hausführung durch die Räumlichkeiten. Dort erklärte uns Herr Nothacker, dass es in drei Funktionsbereiche unterteilt ist: Der Eingangsbereich, der Leistungsbereich und das Fallmanagement. Im Eingangsbereich arbeiten fünf Mitarbeiter, die für den Empfang zuständig sind sowie für eine erste kurze Beratung.

Dann wird der Kunde zum Leistungsbereich weiter geleitet, wo genauer auf seine momentane Situation eingegangen wird. Hier sind fünfzehn Mitarbeiter tätig. Das wichtigste Ziel der Arbeitsvermittlung des Jobcenters Böblingen ist die Integration in den Arbeitsmarkt. Um dieses Ziel zu erreichen, werden eine persönliche Beratung sowie eine individuelle Vermittlungsstrategie festgelegt. Diese Beratung wird von einem Fallmanager übernommen und findet in dem dafür zuständigen Bereich des Fallmanagements statt.

Im Jobcenter Böblingen arbeiten fünfzehn Fallmanager. Zu den Aufgaben eines Fallmanagers gehören folgende Tätigkeiten: Beratung und Unterstützung bei der Arbeitssuche, Vermittlung von Stellenangeboten und die Information über Beratungsangebote und Dienstleistungen. Ein spezieller Bereich des Fallmanagements ist es, junge Menschen unter 25 Jahren, die Arbeitslosengeld II beziehen, sicher in Ausbildung und Arbeit zu führen, um ihnen eine berufliche Integration zu gewährleisten. Außerdem beinhaltet das Jobcenter Böblingen noch eine Schuldnerberatung und eine Suchtberatung.

Anschließend wurden wir in einen Konferenzraum geführt, wo Herr Nothacker schon eine Powerpoint-Präsentation für uns bereithielt. Zuerst gilt es zu erwähnen, dass es das Jobcenter erst seit zehn Jahren gibt. Es entstand aufgrund einer Gesetzesänderung im Jahre 2005 aus der Zusammenführung von der Sozialhilfe und der Arbeitslosenhilfe. 2005 gab es drei verschiedene Organisationsformen innerhalb eines Jobcenters: die ARGE (Arbeitsgemeinschaft), die Optionskommune und die getrennte Trägerschaft.

Das Jobcenter Böblingen ist eine Arbeitsgemeinschaft. Eine Optionskommune gibt es zum Beispiel in Stuttgart, wovon es bundesweit aktuell 110 gibt und die getrennte Trägerschaft, die gesetzlich nicht geregelt war, wurde 2012 abgeschafft. Außerdem ist Frank Nothacker noch auf die Geschichte des Arbeitslosengeldes II (ALG II), umgangssprachlich auch bekannt als „Hartz IV“, eingegangen. Unter dem damaligen Bundeskanzler Schröder wurde eine Kommission einberufen, die das Thema „Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“ beleuchtete. Geleitet wurde diese Kommission von Peter Hartz. Dabei entstanden verschiedene Reformen in verschiedenen Schritten, darunter Hartz I, II, III und Hartz IV.

Das Arbeitslosengeld II ist eine Sozialleistung nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) II, die aus Steuern bezahlt wird. Um dieses zu erhalten, muss man sich an das Jobcenter wenden. Zum ALG II durften wir dann zusammen mit Herr Nothacker eine einfache Kostenrechnung durchführen, bei der die Regelbedarfsstufen und die Regelsätze von Bedeutung waren. Diese sind in festgelegten Tabellen nachschlagbar. Bei Hartz IV steht der Grundgedanke des Förderns und Forderns im Mittelpunkt. Das Arbeitslosengeld I ist eine Leistung nach dem SGB III, bei dem man sich an die Agentur für Arbeit wendet. Diese Leistung wird aber nur ausgezahlt, wenn man vorher mindestens 365 Tage gearbeitet hat.

Am Ende der Präsentation durften wir Herrn Nothacker noch vorbereitete Fragen aus dem Unterricht stellen. Zum einen ging es um die beruflichen Voraussetzungen für eine Tätigkeit im Jobcenter. Hierfür gab uns Herr Nothacker eine Broschüre mit ausführlichem Informationsmaterial. Um z.B. Fallmanager zu werden, muss ein duales Studium absolviert werden, etwa an der DHBW Stuttgart. Das Studium umfasst sechs Semester und schließt mit einem Bachelor ab.

Des Weiteren kam die Frage nach Sicherheitsmaßnahmen im Jobcenter auf. Hierfür sind extra Sicherheitsknöpfe eingerichtet worden, die bei Gefahr jederzeit durch die Mitarbeiter betätigt werden können. Doch solche Fälle kommen im Jobcenter Böblingen eher selten vor. Auf Nachfrage nach der Arbeitsatmosphäre kam eine positive Rückmeldung seitens Herrn Nothacker. Er bestätigte uns die gute Zusammenarbeit aufgrund der kleinen Einheit an Mitarbeitern. Als wir ihn auf den Missbrauch der Sozialleistung „Hartz IV“ ansprachen, entgegnete er, dass dies nicht allzu oft vorkomme und jeder eine zweite Chance im Jobcenter verdiene, wobei es bei Langzeitarbeitlosen schon oftmals schwierig sei, sie wieder in die Arbeitswelt zu integrieren.

Am Ende bedankten wir uns herzlich bei Frank Nothacker für sein Engagement und die Zeit, die er sich für uns genommen hat. Er ermöglichte uns einen Einblick in das Geschehen im Jobcenter und vor allem über das Leistungsangebot.

Seyma Gündüz und Maike Hausmann (SG 11/1)



Bilder

  1. Das Jobcenter Böblingen in der Calwer Straße ist zu Fuß von der Mildred-Scheel-Schule aus zu erreichen.
  2. Der Sozialmanagement-Kurs von Christian Hopf ließ sich vom Leiter des Jobcenters, Frank Nothacker (links hinten), über dessen Organisation und Tätigkeitsfelder informieren.
DSB
MSSR


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