Nervös und angespannt steht Eliza (Name geändert) vor der Tür.
Gleich wird ihr erstes Vorstel-lungsgespräch stattfinden und sie
soll einer ihr unbekannten Person Rede und Antwort stehen. Normalerweise
ist sie in der Schule eher locker drauf – aber heute und an zwei
weiteren Tagen wird der „Ernstfall“ geprobt .
Auch in diesem Jahr trainieren Damen und Herren der Seniorenakademie Sindelfingen
50 bis 70 Schülerinnen und Schüler der Mildred-Scheel-Schule
Böblingen für zukünftige Vorstellungsge-spräche bei
der Ausbildungsplatzsuche.
Eingeladen sind die Jungs und Mädels der BVJ- und BEJ-Klassen.
Im Berufsvorbereitungjahr (BVJ) haben die SchülerInnen die Möglichkeit,
verschiedene Berufs-felder kennen zu lernen und gleichzeitig ihren Hauptschulabschluss
nachzuholen. In berufsfeld-orientiertem Unterricht werden sie im Umgang
mit dem Computer, in der Nahrungszubereitung und in Bereichen der Sozialpflege
geschult.
Die SchülerInnen des Berufseingangsjahrs (BEJ) haben bereits ihren
Hauptschulabschluss geschafft und werden schon in einem ausgewählten
Berufsfeld ausgebildet, neben allgemein bildenden Fächern wie Deutsch,
Mathematik und Englisch. An der Mildred-Scheel-Schule gibt es BEJ-Klassen
für Gastronomie, Ernährung und Hauswirtschaft sowie Sozialpflege.
Bei beiden Schularten steht am Ende die Abschlussprüfung und der
anschließende Übergang in eine Ausbildung oder einen Job. Besonders
guten SchülerInnen steht auch die Möglichkeit offen, eine weiterführende
Schulart zu besuchen, die dann zur Mittleren Reife und später bis
zum Abitur führen kann.
Wer sind diese SchülerInnen in BVJ und BEJ?
Für viele Schülerinnen und Schüler vollzieht sich der Weg
in das Berufsleben nicht reibungslos. Das kann zum Teil daran liegen,
dass sie durch ihr bisheriges Leben an Misserfolge gewöhnt sind und
zu schnell aufgeben, oft erfahren sie auch keine oder nur wenig Unterstützung
von zu Hause, da die Eltern selbst mit Sprache und deutschen Strukturen
überfordert sind. Viele andere Gründe können außerdem
mitspielen.
Um so wichtiger ist in dieser letzten Schulphase eine Unterstützung,
die berufsnotwendige Fähig-keiten und Verhaltensweisen fördert.
Genau das wird durch die Aktion der Seniorenakademie ermöglicht.
An drei Vormittagen im Oktober und November absolvieren die Schülerinnen
und Schüler jeweils einzeln Vorstellungsgespräche unter realen Bedingungen.
Ihre Gesprächs-partner sind Senioren mit langjähriger Berufserfahrung
im Personalbereich. Mit diesem Hintergrund und dadurch, dass sie den Schülern
als Außen-stehende wie bei einem richtigen Vorstellungsgespräch
erscheinen, ent-wickelt sich eine Situation, wie es mit Lehrern im Unterricht
nicht möglich ist. Die SchülerInnen gehen ernsthaft und mit Herzklopfen
in das Gespräch:
- Wie ist mein Auftreten als Bewerber?
- Kann ich dem Arbeitgeber vermitteln, dass ich mich
für den Beruf wirklich interessiere und dafür geeignet bin?
- Was sagt der „Personalchef“ zu meinen
Bewerbungsunterlagen?
Diese und andere Fragen werden den Schülern nach dem Gespräch beantwortet.
Eine persönliche Rückmeldung gibt den Bewerbern Information über
ihre Stärken, aber auch über die Punkte, an denen sie noch arbeiten
müssen.
Die SchülerInnen, die letztes Jahr an dem Bewerbungstraining teilnehmen
durften, äußerten sich im Nachhinein begeistert: „Jetzt
weiß ich, wie es wirklich sein wird – und weil ich es schon
trainiert habe und nun weiß, worauf es ankommt, gehe ich ruhiger in
mein erstes echtes Bewerbungsgespäch!“
J. Wagemann, S. Schnurre

SchülerInnen mit ihren Bewerbungsmappen